Fugen in einem Parlett

[Kari Shea] © Unsplash.com


Fugenbildung im Parkett: Wie folgenreich ist das Phänomen?

In der kalten Jahreszeit, in der zu Hause viel geheizt wird, beklagen sich Parkettbesitzer immer wieder über „Risse“, die im Parkett entstehen. Doch was hat es damit auf sich? Wie folgenreich sind diese Fugen im Parkett eigentlich und was lässt sich gegen bleibende Schäden tun?

Ob als Baum oder als Werkstoff: Holz ist ein lebendiges Material, das auf seine Umgebung reagiert. Dabei ist Holz „hygroskopisch“, wie Fachleute sagen. Das heißt es bindet Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft, gibt sie wieder ab und kann sich dadurch in seinen Ausmaßen verändern. Dadurch können sich zwischen den Verlege-Elementen Fugen bilden, vor allem in Querrichtung zum Faserverlauf. Dies geschieht vor allem während oder nach der winterlichen Heizperiode und führt regelmäßig zu Beschwerden von Parkett- und Holzbodenbesitzern. Doch sind diese Beschwerden wirklich berechtigt und so dramatisch wie sie klingen?


Was ist Hygroskopizität und welche Rolle spielt sie für Fugen im Parkett?


Dieser Begriff bezeichnet die Fähigkeit von Materialien, Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft in sich binden und auch wieder abgeben zu können. Bei Baustoffen hat die Hygroskopizität meist auch den Effekt, dass die entsprechenden Materialien sich positiv auf das Raumklima auswirken. Dies ist zum Beispiel bei Lehmputzen der Fall, die Feuchtigkeit aufnehmen, abgeben und so Schimmelbildung vorbeugen und das Raumklima angenehm halten. Dies gilt genauso aber auch für Holz. Dabei tut sogar die Versiegelung eines Parketts mit Lack dem Effekt keinen Abbruch, sondern verlangsamt ihn gegebenenfalls nur.

Im Falle von Holz und demnach auch Parkettboden, bilden sich durch den Zuwachs von Feuchtigkeit aber auch oft Risse, die jedoch nur fälschlicherweise als solche bezeichnet werden. Vielmehr entstehen diese Fugen im Parkett eben aufgrund der natürlichen hygroskopischen Eigenschaft des Werkstoffs, lassen aber keine Aussage über die Qualität des Holzes oder die Qualität der vorausgehenden Verlegung zu.


Der natürliche Vorgang des Schwindens und Quellens von Holz und die Fugenbildung im Parkett


Holzfeuchteveränderungen werden so durch Klimaschwankungen der Umgebung ausgelöst. In Zusammenhang mit der oben beschriebenen Hygroskopizität finden daher Prozesse des Schwindens und Quellens von Holz statt. So dehnt sich Holz in seinem Umfang durch die Aufnahme von Feuchtigkeit aus und schwindet durch deren Abgabe an die Umgebung wieder.

Zumeist ist die Fugenbildung nicht der nachlässigen Verarbeitung durch Handwerker und Parkettleger zuzuschreiben, sondern ein ganz natürlicher Vorgang, der durch einen klugen Umgang mit dem Holzfußboden verbessert werden kann. Generell muss beachtet werden, dass Holz auch oft aufgrund zu nassen Wischens beginnt, zu quellen, was aber ein vermeidbares Übel darstellt.


Die konkreten Auswirkungen der Heizperiode auf die Fugenbildung im Parkett


Fugen in altem Parkett

Fugen in altem Parkett

In der Regel wird Parkett mit einer Holzfeuchte von 9% (plus 1-2%) geliefert und ebenso auch verlegt. Dieser Wert entspricht in etwa einer Raumtemperatur von 20 bis 22 Grad und 55-60% Luftfeuchte.

Da es in der Regel im Sommer in den Räumen aber deutlich wärmer wird und im Winter die Luftfeuchtigkeit durch das Heizen enorm reduziert wird, ist dieser ideale Mittelwert übers Jahr hinweg deutlichen Schwankungen ausgesetzt.

Mit der Zu- und Abnahme der Luftfeuchtigkeit, wie sie durchs Klima bedingt ist, dehnt sich und schrumpft das Holz des Parkettbodens, wie beschrieben, entsprechend. So können kleinere bis schwerwiegende Fugen im Parkett, also kleine Spalten im Holz, entstehen. Daher sollten sich Parkettbesitzer bemühen, ein Mittel im Schnitt übers Jahr beizubehalten.


Die Luftfeuchtigkeitswerte und ihre Wirkung


So ist beispielsweise eine Luftfeuchtigkeit von unter 34% deutlich zu gering. Sie führt dazu, dass die Holzfeuchte nur noch 6% und weniger beträgt. So werden sich definitiv Fugen bilden. Das gilt ebenso für versiegelte Böden, da die Versiegelung nicht verhindert, dass die Raumluft noch mit dem unter der Versiegelung liegenden Holz reagiert. So können sich Fugen bilden, die sich auch auf den Versiegelungsfilm auswirken, bzw. dort auch zeigen.

Doch durch ein Befeuchten des Raumklimas in der Heizperiode können die kleinen Fugen ebenso gut auch wieder verschwinden, sind also bei einer guten Reaktion der Bodenbesitzer nicht von Dauer.


Fugenbildung im Parkett ist abhängig von Parkett- und Holzart


Bei der Verlegung eines Parkettbodens muss beachtet werden, dass einige Hölzer, wie zum Beispiel Ahorn oder Buche quellen bei der Einwirkung feuchter Luft generell mehr als andere Holzarten, wie zum Beispiel Eiche oder Bambus schwinden, bzw. quellen. Das bedeutet, sie haben ein höheres, sog. „differentielles Schwindmaß“ als andere. Das heißt sie schwinden abhängig von der gegebenen Holzfeuchte mehr. Auf dieses Maß sollte bei der Auswahl des Holzes geachtet werden.

Generell neigt sehr viel eher Massivparkett zu diesem Verhalten, als die mehrschichtigen- oder Fertigparkette. Letztere quellen nur in sehr geringem Maß. Das sollte Nutzerinnen aber nicht dazu bringen, stattdessen die anderen, günstigeren Parkettarten zu erwerben, denn mit den richtigen Maßnahmen lassen sich unerwünschte Effekte gut eindämmen und die Vorteile und Langlebigkeit von Massivparkett lassen sich dennoch genießen.


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Wie lassen sich Fugen im Parkett am besten vermeiden?


Damit es aber gar nicht erst zur Fugenbildung kommt, können die folgenden einfachen Verhaltenshinweise beachtet werden, die vor allem für die Heizperiode gelten. So können Fugen ganz vermieden, oder sogar wieder rückgängig gemacht werden:

  • Im Winter sollte das Raumklima zusätzlich befeuchtet werden, um die Temperatur auf einen konstanten Wert zu regulieren.
  • Richtwert ist hierbei eine Raumfeuchte von 55%
  • Die Befeuchtung der Raumluft kann mit Hausmitteln, z.B. feuchten Handtüchern auf der Heizung bewerkstelligt werden.
  • Steuerhygrostate sind eine noch geeignetere Variante, den Wert zu steuern.
  • Regelmäßiges Lüften ist unerlässlich.
  • Zimmerpflanzen tragen ebenso zur Verbesserung der Luftfeuchte bei.


Welche Breite ist bei Fugenbildung noch zulässig?


Wenn sich trotz der Bemühungen um eine gute Luftfeuchtigkeit und die passende Temperatur nun doch Fugen bilden, so gibt es bestimmte Fugenbreiten, ab denen Reparaturarbeiten gegebenenfalls notwendig werden. Generell sind im Laufe eines Jahres und der Jahreszeiten Fugen von 0,1 mm bis 0,5 mm Breite als zulässig und normal anzusehen.

Doch auch hier bestimmt sich abhängig von der Verbauungsart des Parketts nochmals spezifisch die Zulässigkeit der entsprechenden Fugenbreite. Bei unter dem Parkett verlegten Fußbodenheizungen sind zum Beispiel 0,8 mm zulässig, bei verklebtem Parkett können 0,3 mm toleriert werden.

Im Allgemeinen sollte die Fugenbreite nicht mehr als 1,2 mm betragen. Ab diesem Wert sind Beanstandungen durchaus möglich. Allerdings treten Fugen so hohen Ausmaßen in der Regel nur dann auf, wenn Raumnutzer überhaupt nicht auf die Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Raum achten und niemals lüften, o.Ä..


Fazit: Fugen im Parkett sind bis zu einem gewissen Grad normal


Die Fugenbildung im Parkett kann als ein Aspekt der Natürlichkeit des Werkstoffes Holz gesehen werden. Wer also Materialien verbauen will, die sich auch positiv auf das Raumklima auswirken, sollte sich vorher vor Augen führen, dass diese mit der Umgebung reagieren, dieses aber keinen Qualitätsmangel darstellt.

Eine Fugenbildung im Ausmaß der geltenden Normen ist zulässig und nicht zwangsläufig von Dauer. Sie kann durch das Befeuchten der Umgebungsluft auch wieder verschwinden. Durch die richtigen Maßnahmen während der Heizperiode und das Beibehalten des richtigen mittleren Raumklimas, kann ernsteren Schäden vorgebeugt werden.


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