Tiny House

Hans-Peter Brunner und sein Tiny House

Minimalismus, Downsizing und nachhaltiges Wohnen auf Rädern


Hans-Peter Brunner (66) ist Blogger, Schreiner, pensionierter Gewerbeschullehrer und Weltenbummler. Seine verschiedenen Passionen eint im Kern eine: die Faszination für Holzwerkstoffe und die Arbeit mit ihnen. Auch das Wohnen ganz in Holz ist Brunner schon seit Langem ein Anliegen.


Vor etwa 8 Jahren erreichte den versierten Handwerker eine Idee aus den USA: Dort wurden kleine Holzhäuser auf Rädern zum Trend. Menschen begannen, Abschied von der Sesshaftigkeit und dem heute üblichen Übermaß an Besitztümern zu nehmen. Unter dem Begriff Tiny House begann eine Entwicklung weg vom endlosen Konsum und hin zum sinnvoll reduzierten Dasein: Downsizing als Lebensstrategie – die Konzentration auf das wirklich Wichtige.

Brunner, von der revolutionären Idee gepackt, machte es sich zur Aufgabe, ein Tiny House für Europa zu bauen. Auf seiner Website Black Forest Tiny House berichtet er von den Stationen beim Bau seines winzigen, gemütlich-mobilen Häuschens. Aber auch die Begegnungen mit Gleichgesinnten europaweit sind Gegenstand seiner Berichte.

Als starke Partner in der Pflege und Instandhaltung von Holz- und Korkfußböden unterstützten wir Herrn Brunner bei der Versiegelung des Korkfußbodens im Tiny House: Für seine Arbeiten stellten wir Herrn Brunner die Grundierung RETOL AQUA Primer Plus, sowie die Korkversiegelung RETOL AQUA Cork zur Verfügung. Die Faszination für kleine Holzhäuser hat auch uns mitgerissen: Nun haben wir ihn für unseren Blog um ein Interview zu Idee und Realisierung des Tiny House gebeten.


Tiny Houses – „Ein genügsames Leben im eigenen kleinen Häuschen“


Lieber Herr Brunner, die Idee der Tiny Houses, also der kleinen (Holz-)Häuser auf Rädern, stammt aus Amerika und ist in unserer konsumbetonten Gesellschaft Ausdruck der Hinwendung zu einem minimalistischeren und umweltverträglicheren Lebensstil.

Was hat Sie persönlich an der Idee eines Mini-Hauses auf einem Anhänger begeistert und an welchem Punkt haben Sie sich entschieden, diese Begeisterung in ein eigenes Projekt umzuwandeln?

Nachdem ich mein selbst gebautes „großes“ Holzhaus im Jahr 2000 in Folge einer Scheidung aufgeben musste, erschien mir zehn Jahre später die Aussicht auf ein genügsames Leben im eigenen kleinen Häuschen als sehr attraktiv.

Porträt mit Haus


Im Jahr 2010 erfuhr ich zum ersten Mal von diesen kleinen Häusern auf Rädern durch das Internet. Damals war es Jay Shafer, der in so einem kleinen, selbst gebauten Häuschen wohnte und behauptete, dass es „der Himmel auf Erden“ sei. Unabhängig, schuldenfrei und umweltbewußt zu leben, sei das Ziel, so Shafer.

Also ließ ich mir Jay Shafer’s Small House Book aus den USA schicken. Dessen Lektüre fand ich so motivierend, dass ich im August 2013 mit dem Bau begann. Allerdings war mir damals nicht klar, welche Schwierigkeiten ich zu überwinden hätte und wie sehr der Bau des Tiny Houses mein Leben, mein Konsumverhalten und mein soziales Umfeld verändern würde. Da ich zu dem Zeitpunkt in Deutschland der Erste war, der sich an den Bau eines Tiny Houses nach amerikanischem Vorbild wagte, musste ich mir jedes Detail selbst erarbeiten.

Die größte Herausforderung hatte (und hat) allerdings nicht viel mit dem Bauen zu tun: Es ist das Loslassen können! Das sogenannte Downsizing. Das Abschied nehmen und sich lösen von den Tausenden von Dingen, die man im Lauf des Lebens angesammelt hat. Und damit auch von dem Emotionen, die mit diesen Dingen verbunden sind. Das ist keine Hau-Ruck-Aktion fürs Wochenende, sondern ein Prozess, den ich immer noch nicht als abgeschlossen betrachte.


Bau des Daches

In unserer Gesellschaft lebt man momentan noch sehr sesshaft. Ist es aber überhaupt noch nötig und wichtig, stets an einem Ort zu wohnen? Wieviel planen Sie, in Zukunft unterwegs zu sein?

In unserer Gesellschaft erfolgt gerade ein Wandel zu mehr Mobilität, vor allem in der Arbeitswelt. Das feste Haus fürs Leben (und nachfolgende Generationen) ist mehr oder weniger out. Als Arbeitnehmer ist man immer öfter gezwungen, einen Ortswechsel hinzunehmen.

Das betrifft insbesondere junge Menschen (deren Anteil in der Tiny House Bewegung ständig wächst). Ich selbst bin Rentner, hätte aber gute Lust, mit meinem Tiny House eine mehrere Monate dauernde Deutschland- oder gar Europa-Tour zu machen.


Allerdings bräuchte ich dazu ein geeignetes, PS-starkes Zugfahrzeug. Bisher fehlen mir jedoch die Mittel, um ein solches zu erwerben. Vielleicht finde ich ja zu gegebener Zeit einen Sponsor, der mir gegen entsprechende Werbewirksamkeit (Reiseblogging) ein solches Fahrzeug zur Verfügung stellt.


Der Prototyp Ihres Black Forest Tiny Houses wird von dem US-Unternehmen Tumbleweed hergestellt. Welche Vorschriften mussten Sie beachten, um das Black Forest Haus für die Regelungen des Straßenverkehrs in Europa „fit“ zu machen? Was hat Sie in der Entwicklungsphase des europäischen Tiny House darüber hinaus inspiriert?


Der Prototyp wurde zwar von Tumbleweed hergestellt, aber die Tumbleweed Tiny House Company hat alle ihre kleinen (einstmals von Jay Shafer entwickelten) Haustypen aufgegeben. Heute sind nicht einmal mehr Pläne für diese Tiny Houses erhältlich. Die US-amerikanischen Tiny House Szene wurde inzwischen vom Trend „bigger is better“ eingeholt, was eigentlich der ursprünglichen Idee widerspricht. Und es scheint, als würde sich dieser Trend auch in Europa durchsetzen.

Was die Straßenverkehrsordnungen und Zulassungsbedingungen in Deutschland und Europa anbetrifft, sind amerikanische Standards nur zum geringen Teil oder gar nicht übertragbar. Z.B. können amerikanische Tiny Houses schon mal bis zu 7 oder gar 8 Tonnen wiegen. Hierzulande darf das zulässige Gesamtgewicht bei einem PKW-Anhänger 3,5t nicht überschreiten.

Eine der größten Herausforderungen beim Bau eines „europäischen Tiny Houses besteht also im Einsparen von Gewicht. Die Befestigung auf dem Anhänger wirft bei uns auch einige Probleme auf. Je nachdem ob diese als Ladung oder als Festaufbau ausgeführt wird, hat das Konsequenzen und Einschränkungen zur Folge.

Bau von Brunners Tiny House


Ihr Black Forest Tiny House ist vorwiegend aus Holzwerkstoffen aufgebaut. Könnten Sie sich für die fahrenden Häuser auch eine Betonung auf andere Werkstoffe vorstellen?


Kaum. Holzwerkstoffe sind „heimwerker-freundlich“, also relativ leicht zu be- und verarbeiten. Die einzig gangbare Alternative wäre ein Skelett aus Stahl- oder Aluminium-Profilen (ähnlich den Ständerkonstruktionen im Trockenbau). Dabei muss aber akribisch auf die Vermeidung von Kältebrücken geachtet werden. Als Aussenfassade sind Metall- oder Kunststoffplatten denkbar. Aber das ist natürlich auch eine Frage der Ästhetik.

Eine weitere Alternative wären sogenannte SIPs (Structural Insulated Panels) für die Realisierung der Außenwände und des Daches. Solche Sandwichplatten, bestehend aus einer Polyurethan- bzw. Polystyrol-Kerndämmung zwischen zwei OSB-Platten sind in Europa meines Wissens bisher nicht in Tiny-House-freundlichen Stärken und Abmessungen erhältlich. Aber dabei handelt es sich natürlich streng genommen wieder um Holzwerkstoffe.


Küche mit Korkfußboden

Den Korkfußboden in der Tiny House Küche haben Sie mit dem RETOL Versiegelung AQUA behandelt. Warum haben Sie sich für die Versiegelung des Bodens entschieden und nicht fürs Ölen?

Eigentlich wollte ich Fertigparkett verlegen, aber wegen des Gewichts habe ich davon abgesehen. Vollflächig verklebte Korkfliesen im Format 30 x 60cm waren die leichtere Alternative. Damit konnte ich den Boden auch durchgehend vom Wohnraum über die Küche bis in mein Mini-Badezimmer verlegen.

Und ein gut versiegelter Boden schien mir gerade vor der Dusche und auch im Küchenbereich die beste Wahl. Zwar hatte ich gehört, dass ein geölter Boden leichter nachzubehandeln wäre.

Aber ich hatte Mitte der 80er Jahre in meinem damaligen Holzhaus schon einmal einen Kork-Küchenboden mit „Wasserlack“ versiegelt und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. So fiel mir die Entscheidung für das mit Wasser verdünnbare Produkt von RETOL relativ leicht.



Was schätzen Sie an den Produkten von RETOL und wie hat Sie das Ergebnis überzeugt?


Die leichte Verarbeitung ohne nennenswerte Geruchsbelästigung und die vergleichsweise schnelle Trocknung. Auch das Auswaschen der Werkzeuge mit Wasser zwischen den Arbeitsgängen fand ich sehr angenehm. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen und hat meine Erwartungen sogar übertroffen. Der Boden ist leicht zu reinigen. Bisher wird der Boden allerdings nicht sehr intensiv betreten. Ich bin gespannt, wie sich die Versiegelung bei längerem Gebrauch verhält.

Wir danken Herrn Brunner für das aufschlussreiche und ausführliche Interview und wünschen ihm für die Fortführung seines Tiny-House-Traums alles Gute!


Anmerkungen: OSB: Oriented strand board: Platte aus ausgerichteten Spänen. Besitzen geringeren Leimanteil als andere Spanplatten.Verleimtes Durchforstungsholz.



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